Eichhörnchen Polly weiter in U-Haft


Aufgrund der Schwere des Vergehens und weil das verwaiste Eichhörnchen auch keinen Bürgen beibringen konnte, verbleibt die Kleine weiter in U-Haft.


Eigentlich war es ein ganz normaler Notruf: ein „Hinterherlauf-Hörnchen“ ist bei der Polizeistation in Bottrop aufgenommen worden. Die Polizisten scheinen es schon mit Flüssigkeit versorgt zu haben. Hast du die Kapazität das Tier aufnehmen, so die Kollegin die Telefondienst beim Eichhörnchen Notruf hatte.

 

So oder so ähnlich gehen 30 - 40 Notfälle pro Jahr allein bei der Auffangstation in Dorsten ein. Ich fuhr also hin, freute mich über die Aufmerksamkeit, die die Beamten dem Eichhörnchen schenkten und sah mir ihre Fütterungstechnik an. Schön, die hatten doch alles im Griff. Nicht ganz, die Urin Stimulation schien ihnen Schwierigkeiten zu bereiten. Das ist normal bei erschöpften und halb verdursteten Eichhörnchen. Ich nahm die Kleine aus der Box, gab ihr noch ein wenig Ringerlösung, ließ sie pinkeln – unter dem ehrfürchtigen Raunen einiger Anwesenden – und mich auch gleich mal beißen. Pflaster gab es hier genug.
Nach einer ersten Ansicht war klar, dem Tier ging es richtig schlecht. Das Hörnchen litt unter starken, krampfartigen Schmerzen, war neurologisch auffällig und desorientiert, bei leicht unregelmäßiger Atmung, Unterkühlung und blassen Schleimhäuten. Die Unternährung spielte dabei eigentlich schon keine Rolle mehr.

Immerhin stimmte, dank der tierliebenden Polizisten und dem schnellen Eingreifen, der Flüssigkeitshaushalt, das war doch schon ein Strohhalm. Dennoch schleunigst mit ihr zum Tierarzt. Die verabreichten ihr im Eiltempo die passenden Medikamente.

Dennoch stand es noch ein paar Tage auf der Kippe. Regelmäßige Infusionen waren notwendig, den Kreislauf aufrecht zu halten. Die Ernährung war anfänglich schwierig, da sich der Magen sich erst wieder an die Futtergabe gewöhnen muss, sonst treten andere Komplikationen auf, ein Balanceakt.

 

Doch langsam erholt sich die Kleine. Noch ein wenig mitgenommen und zerzaust konnte sie nach 4 Tagen wieder gerade stehen und - wie es sich gehört - im Sitzen fressen. Natürlich bekommt sie noch Milchersatz, kann aber zusätzlich schon feste Nahrung fressen. Nach drei weiteren Tagen wurde sie langsam unruhig und mochte auch nichts mehr mit Fremden zu tun haben.
Die neurologischen Aussetzer sind fast vollständig verschwunden. Sie bekommt weiterhin Medikamente und viel Aufmerksamkeit. Inzwischen hat sie sich soweit erholt, dass sie einen Spielkameraden brauchte. Die zwei toben zwar noch nicht richtig, der Spielgefährte ist etwas jünger, damit entsprechen die beiden ungefähr einem Entwicklungsalter, aber klettern, kuscheln und gegenseitig Futter klauen funktioniert bestens. Der Rest kommt von allein.

 

Polly fiel offensichtlich nicht nur vom Baum sondern auch in das berüchtigte Sommerloch der Presse. Sie wurde in Windeseile das berühmteste Eichhörnchen der Welt. Was ihr völlig egal war, jedoch ihren Artgenossen sehr geholfen hat, da viele Bürger zukünftig den Eichhörnchen Notruf anrufen, wenn sie von einem Eichhörnchen "gestalkt" werden.



Polly im offenen Strafvollzug

In ca. 2 Wochen ist Polly dann soweit: sie wird auf die Wiederauswilderung vorbereitet und zusammen mit ihrem Gefährten wieder an ein Leben in und mit der Natur gewöhnt, bis sie nach weiteren zwei bis drei Wochen endlich die Baumwipfel erobern können und wieder in Freiheit sind.


Goodbye Polly

 

Ein langer Blick zum Abschied und ein Hauch von Danke schön lag in der Luft, als Polly zusammen mit ihren Weggefährten endlich wieder in die Freiheit durften.

Sie hatte alles gut überstanden und ist eine richtige Draufgängerin geworden, kein Wunder bei der Strafakte.

Am 15.08. wurde Polly erfolgreich ausgewildert.

 


Dank an alle, die sich so rührend um Polly gekümmert haben und nur durch deren Hilfe sie es schaffen wird.